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Bedienung

Samstag 14. Januar 2006 von
Simon Praetorius
Um eine verschlüsselte Nachricht zu übermitteln, benötigten beide Parteien (Sender und Empfänger) den selben Schlüssel. Da alle, die die selben Enigmas besaßen, gleichzeitig Sender und Empfänger waren, gab es ein Problem: den Schlüsselaustausch. Man konnte nicht jedes mal, bevor man eine Nachricht schickte einen neuen Schlüssel übermitteln, da dieser auch sehr leicht abgefangen werden konnte. Hätte man ihn verschlüsselt, wäre das gleiche Problem entstanden wie ursprünglich, weil man dazu wieder einen Schlüssel benötigte. Man hätte natürlich jeden Monat bei einer gemeinsamen Sitzung einen Schlüssel für diesen Monat festlegen können, doch wenn irgend jemand einen dieser Schlüssel herausbekommen hätte, auf welche Weise auch immer, dann wären die Nachrichten für den gesamten Monat nicht mehr sicher.

Man entschied sich für eine Kombination aus beidem und die Verteilung des Schlüssels auf mehrere Personen (z.B. Offizier und Funker). Der allgemeine Schlüssel (Tagesschlüssel) wurde in ei-<br>nem Codebuch (Schlüsselbuch) für einen Monat festgelegt und wechselte alle 24 Stunden, jeweils um Mitternacht. Gegen Ende des Krieges wechselte er schon alle 8 Stunden.

Der Tagesschlüssel enthielt 4 Einstellungen für die Maschine. Steckbrett, Ringstellung und Rotorenauswahl wurde von höheren Offizieren eingestellt. Man benötigte dafür einen speziellen Schlüssel, der die Maschine öffnete. Der Funker stellte die Rotoren auf die jeweilige "Tagesinitialstellung" ein.

Er war auch dafür verantwortlich sich einen Spruchschlüssel (Nachrichtenschlüssel) auszudenken. Dieser bestand aus drei Buchstaben, die mit der Tagesinitialstellung verschlüsselt wurden <br>und als neue Initialstellung für den Klartext dienten.
Da es im damaligen Funkverkehr häufig zu Störungen kam, wurde der Spruchschlüssel zwei mal hintereinander verschlüsselt und gesandt, bevor der Klartext angehängt wurde. Dies war ein Risiko, dass den Kryptoanalytikern einen Ansatz bieten konnte. So wurde diese Verdopplung ab 1939 abgeschafft.

Beispielverbindung
Ein Beispiel für das Einrichten einer Enigma findet sich auf dem Bild.
Als erstes wählte der Offizier die Walzen aus, drehte den Ringe an dem jeweiligen Rotor in die entsprechende Position und setzte die Walzen in die Enigma ein, in unserem Fall die IV. II. und I. Walze in genau dieser Reihenfolge. Dann öffnete er die Klappe zum Steckbrett, verband jeweils zwei Buchstaben miteinander und schloss wieder ab.

Den dritten Teil übernahm der Funker oder Kryptograph, der die Maschine bediente. Er stellte die Rotoren auf die Grundstellung (entspricht dem Tagesschlüssel) mit Hilfe des Rändelrädchens ein und dachte sich drei Buchstaben aus. Diese gab er zweimal hintereinander in die Maschine ein und schrieb die sechs aufleuchtenden Buchstaben auf. Als nächstens stellte er die Rotoren auf seinen Spruchschlüssel ein und tippte Buchstabe für Buchstabe den Klartext. Die aufleuchtenden Zeichen schrieb er hinter die ersten sechs und schickte das Ganze dann per Funk los.

Der Empfänger ließ auch alle Einstellungen von seinem Offizier vornehmen und entschlüsselte die ersten sechs Buchstaben mit der Grundstellung. Kommen zwei verschiedene Tripel heraus, ist irgend etwas schief gelaufen, anderenfalls stellte er die Rotoren auf die Buchstaben ein und entschlüsselte damit den Geheimtext.
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2 Kommentare

  1. Donnerstag 24.01.2008 20:05 von
    Asche

    Klare und sehr gute Beschreibung der Bedienung wie man sie sehr selten oder nie findet!

  2. Montag 02.11.2009 11:56 von
    Klaus

    ausführliche beschreibung,sehr schoen geschrieben und sehr förmlich.Danke,fuer dieses Vergnuegen.

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