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Kryptosystem nach dem WWII

Dienstag 23. Januar 2007 von
Simon Praetorius
Nach Kriegsende wurden nicht alle Enigma-Maschinen vernichtet und sofort ein neues System eingeführt. Es gab bisher keine bessere Alternative. Viele tausend Geräte, welche die deutsche Reichswehr eingesetzt hatte, wurden im Atlantik versenkt. Da aber niemand wusste, dass die Enigma entschlüsselt wurde, war es möglich die Maschinen weiter zu verbreiten, so verkauften die Briten und Amerikaner ihre Enigmas an Entwicklungsländer, die noch über keine ausreichend sichere Kommunikation verfügten. Dies ergab zwei Vorteile: Zum einen wurden durch den Verkauf finanzielle Gewinne erzielt, zum anderen konnte der komplette Nachrichtenverkehr dieser Länder abgehört werden, ohne dass davon jemand etwas mitbekam. Die Kryptoanalyse war weiterhin streng geheim.

Hagelin verkaufte ebenso seine Verschlüsselungsmaschine, die einige Unterschiede zur Enigma aufwies und machte damit hohe Gewinne. Er gründete schließlich in der Schweiz eine Firma, die sich bis heute durchsetzen konnte. Sie heißt Crypto AG und hat ihren Sitz in Zürich.

Auch der ersten speicherprogrammierbaren Computer - das Colossus-Projekt von Bletchley Park - war streng geheim und wurde erst 1996 öffentlich. Alan Turing, der dieses Projekt erst möglich gemacht hatte, und baute seine universelle Turingmaschine. Als die Entwicklung des Computers begann wurden auch die kryptologischen Möglichkeiten größer. So wurde in den 1980er Jahren der erste Verschlüsselungsstandard veröffentlicht (DES), welcher lange Zeit als ausreichend sicher galt. Mit immer schneller werdender Technik ist er heute jedoch auch zu brechen. Im heutigen Computer – Internet-Zeitalter wird die Verschlüsselung nicht mehr nur von Militärs oder Geheimdiensten genutzt, sonders spielt im Alltag vieler Menschen eine große Rolle. Bankgeschäfte, Einkäufe, Auktionen und Umfragen, die über das Internet getätigt werden können, werden meist mittels eines Chiffrieralgorithmus geschützt. Aber auch die oft brisanten Daten auf PCs oder den Großrechnern der Firmen werden chiffriert. Aktuell sichere Verfahren sind beispielsweise AES, Blowfish und IDEA. Vermutlich hält die Annahme, dass diese Verfahren kaum geknackt werden können, nicht lange an.
Bis die sogenannte Quantenkryptologie eingeführt wird, die einen abhörsicheren Übertragungskanal bereit stellen soll, wird es vermutlich keinen Algorithmus geben, der so sicher, wie das One-Time Pad ist.

In der Vergangenheit hat man sich schon oft geirrt und meist wussten die Geheimdienste mehr, als die Öffentlichkeit. So ist zu vermuten, dass die NSA (die Amerikanische Sicherheitsabteilung) bereits ein noch sichereres System verwendet. Die Rote Leitung, zwischen Moskau und Washington, soll mit dem One time Pad gesichert sein, das schon im 19. Jahrhundert entwickelt wurde und der Theorie nach unentschlüsselbar ist.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Technik entwickelt und was für Möglichkeiten sie uns in der Zukunft bietet. Die sogenannten Quantencomputer, an denen derzeit geforscht wird, werden eine neue Epoche der Kryptologie einleiten, da mit Ihnen neue Möglichkeiten in Geschwindigkeit, Programmierung und damit auch in Kryptographie und Kryptoanalyse offen stehen. Die Heute aktuellen Verfahren könnten dann wahrscheinlich nicht mehr verwendet werden, da sie den Sicherheitsbedürfnissen nicht mehr entsprächen. Siehe dazu Wikipedia
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