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Der Code "Fish"

Dienstag 23. Januar 2007 von
Simon Praetorius
Ab 1942 empfingen die Leute von Bletchley Park Nachrichten, die nicht mit der Enigma verschlüsselt wurden. Anscheinend wurde ein anderes System benutzte. Dieser "Lorenz Fernschreiber" basiert auf einer theoretischen Vernam-Chiffre, die absolut unknackbar gewesen wäre. Die Deutschen erzeugten Zufallszahlen, indem sie das Rauschen von 10 sich unabhängig voneinander bewegenden Rädern aufnahmen und in Zahlen umwandelten. Diese Folge von Zahlen war zwar relativ zufällig, es gab jedoch auch gewisse Muster, die man eventuell erkennen konnte. Nach einem Chiffrierfehler der Deutschen (Sie verwendeten zweimal die selbe Einstellung), haben das die Kryptoanalytiker entdeckt. Mit Hilfe von statistischen Theorien und scharfsinniger Überlegung, wofür wieder Alan Turing verantwortlich war, konnten Sie Anfang 1943 einzelne, wenige Nachrichten Entschlüsseln und entdeckten, was für eine Brisanz die Meldungen besaßen.

Um alle diese Nachrichten entschlüsseln zu können, war eine Maschine notwendig, die schnell die Muster in dem Code entdeckt. Man entwickelte eine elektromechanische Maschine, welche die Nachrichten und Aufgaben per Lochkarte einliest und verarbeitet, wobei dadurch nur eine geringe Geschwindigkeit erzielt werden konnte. Die Photozellen erkannten ab einer bestimmten Geschwindigkeit die Löcher nicht mehr zuverlässig. Der Prototyp wurde Robinson getauft.

Um von den Lochkarten weg zu kommen, entschloss man sich die Aufgaben und Befehle in einem Speicher in der Maschine abzulegen, was für die damalige Zeit revolutionär war. Dazu verwendete man sogenannte Röhren, Sie galten zwar als unzuverlässig, funktionierten aber. Max Newman entwarf nach Turings Konzept der universellen Turingmaschine eine Dechiffriermaschine, die er im Forschungszentrum der Britischen Post in Dollis Hill innerhalb von 8 Monaten von dem Ingenieur Tommy Flowers bauen ließ. 1943 war die sogenannte „Colossus“ fertiggestellt und schien die Erwartungen noch zu übertreffen. Bis zu 5000 Zeichen konnten pro Sekunde verarbeitet werden. Sie verfügte über ein Hochgeschwindigkeits-Antriebssystem und über 1500 Radioröhren.

Die „Colossus“ kann als erster speicherprogrammierbarer Rechner angesehen werden. Sie wurde unter strikter Geheimhaltung, ohne jegliche Aufzeichnung über ihre Existenz in Bletchley Park betrieben. Am 1. Juni 1944 wurde die Geschwindigkeit noch getoppt durch die „Colossus II“, die etwa fünf mal so schnell, wie die Colossus war. Sie besaß 2500 Röhren. Bis 1996 war nichts über dieses Projekt bekannt geworden, da es immer noch als streng Geheim galt.
Derzeit wird an einem Nachbau der Colossus II in Bletchley Park gearbeitet. Die Baupläne dafür wurden aber erst im Jahre 2000 veröffentlicht, so dass das Projekt noch nicht sehr weit fortgeschritten ist.
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