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Die Entwicklung der Enigma

Sonntag 11. Dezember 2005 von
Simon Praetorius
Die Großunternehmer gewannen immer mehr an Kapital und es kam das Verlangen nach einem Verfahren der sicheren Informationsübermittlung auch in diesen Schichten auf. Da häufig längere Texte, wie Briefe oder Geschäftsunterlagen chiffriert werden sollten, suchte man auch hier nach einer Maschine, die diese Arbeit größtenteils übernimmt und dennoch sicher ist. Auch in anderen Staaten Europas und Amerikas, in denen die Wirtschaft aufblühte, suchte man nach solchen Systemen und sie wurden gefunden, sogar mehrfach.

Rotormaschinen


In einem Zeitraum von kaum 10 Jahren entwickelten vier Leute unabhängig voneinander eine Maschine, die auf dem selben Prinzip beruht: dem Rotorenprinzip. Ein Rotor, auch Walze genannt, ist eine Scheibe, die auf beiden Seite Metallkontakte besitzt, welche im Inneren miteinander verdrahtet sind. Es gibt auf jedem Rotor 2 mal 26 Kontakte, d.h. für jeden Buchstaben zwei Kontakte – einen Ein- und einen Ausgang. Wird nun an einen Kontakt ein Strom angeschlossen, „fließt“ er an einem anderen Kontakt auf der gegenüberliegenden Seite „heraus“. Dieses System ähnelt dem mechanischen Chiffrierzylinder stark, wurde jedoch mit Strom betrieben, was viele neue Möglichkeiten eröffnete. Indem man mehrere verschiedene Rotoren hintereinander schaltete konnte man die Sicherheit erhöhen.

Edward H. Hebern
Heberns MaschineHeberns Maschine
Im Jahre 1917 ließ sich der Amerikaner Edward Hugh Hebern (1869-1952) eine Maschine patentieren, die sich dieses Prinzip zu nutze machte und hoffte auf den baldigen wirtschaftlichen Erfolg. In dieser Zeit wurde die elektrische Schreibmaschine entwickelt und diente als Grundlage für Heberns Maschine. Er nannte sie „kabellose Sphinx“ ließ die einzelnen Klartextzeichen mittels einer Tastatur einlesen und die Geheimtextzeichen durch Lämpchen anzeigen. Nach jedem Buchstaben wurden die Rotoren zyklisch weitergedreht, also wie ein Kilometerzähler. Hat der erste Rotor das Z erreicht, dreht sich der zweite Rotor um eine Position weiter. Ist dieser beim Z, beginnt der dritte sich zu drehen.
Seine 1921 gegründete Firma – „Incorporated Hebern Electric Code“, wurde die erste Chiffriermaschinenfirma der USA – mit einer großen Fabrik in Oakland Kalifornien. Nachdem sich die US-Navy dafür interessiert hatte und 2 seiner Maschinen kaufte, hoffte er auf weitere Verhandlungen mit der Regierung. Obwohl die Preise für eine Maschine nicht sehr hoch angesetzt waren (zwischen 120 und 750 US-Dollar pro Exemplar, je nach Rotoranzahl). Insgesamt verkaufte er zwölf Exemplare seiner Maschine, die zwei der Marine schon dazugezählt. Der Grund für das schlechte Geschäft lag wohl in der Friedens- und Vertrauenspolitik des damaligen Präsidenten der USA Herbert Hoover, die auf die Vernunft der Bevölkerung setzte.
„Gentlemen lesen nicht gegenseitig ihre Post.”(Außenminister der USA Henry Stimson aus Singh, Simon – Seite 175)
Anfangs hatten die Aktien seiner Firma einen Wert von 5 Dollar, der bis zum Konkurs auf einen Dollar gesunken war.

Hugo A. Koch
Am 7.10.1919 (14:55 Uhr) meldete der Holländer Hugo Alexander Koch (1870-1928) eine ähnliche Maschine zum Patent an. Mit seiner “Geheimschrijfmaschine“ hatte er zunächst kommerzielle Ziele. Seine Firma ging jedoch Pleite, so verkaufte er 1927 seine Patente an den deutschen Ingenieur Arthur Scherbius. Die Maschine war für den Alltag nicht handlich genug. Später entwickelte er zusammen mit Boris C. W. Hagelin eine Maschine mit dem Namen „M-209“ - eine Fortführung des Rotorenprinzips, jedoch mit modernerer Technik, u.a. mit Druckern, ausgestattet.

Arvid G. Damm und Boris C. W. Hagelin
Der Schwede Arvid G. Damm meldete seine Rotormaschine drei Tage nach Koch am 10.10.1919 in Deutschland zum Patent an. Er arbeitete eigentlich als Ingenieur in einer Textilfirma in Finnland, was ihn jedoch nicht vom Herumexperimentieren und Forschen abhielt. Auch er gründete eine Firma, die 1927 von Boris Caesar Willhelm Hagelin (dem Sohn eines Investors) übernommen wurde. Er entwickelte Damms Maschine weiter und versah sie schließlich mit einem Drucker, wodurch man mit der Maschine sehr viel schneller arbeiten konnte. 1948 siedelte er die Firma in die Schweiz um. Dort arbeitet sie unter dem Name Crypto AG bis heute und verkauft Sicherheits-Produkte in die ganze Welt. Hagelin war der einzige Entwickler von Rotormaschinen, der damit reich wurde, da er etwa 140.000 Exemplare verkaufte. Er starb 1959.

Arthur Scherbius


Der vierte Erfinder war der deutsche Ingenieur Arthur Scherbius (1878 –1929). Er meldete eine eigene Maschine am 23.2.1918 zum Patent an und kauft 1927 die Patente anderer Erfinder, wie H. A. Koch, auf. Den Namen „Enigma“, den er seiner Maschine gab, leitete er aus dem Lateinischen „aenigma“ ab, das soviel bedeutet, wie „Rätsel“ oder „Geheimnis“.

Genau wie die anderen Erfinder hatte er einen kommerziellen Nutzen im Sinn. Im April 1918 präsentierte er seine Maschine der deutschen Marine, die aber kein richtiges Interesse zeigte. Auch das Militär war in den Anfangsjahren noch nicht so sehr an der Enigma interessiert. Sie wussten noch nicht, dass ihre Codebücher nicht mehr sicher waren. So waren Industrielle und Privatleute seine ersten potenziellen Kunden. Wegen des hohen Preises (Luxusmodell kostet umgerechnet ca. 25.000 EUR) fand seine Maschine allerdings nicht sehr viel Akzeptanz und wurde kaum gekauft.

1923 stellt er sie auf dem Weltpostkongress in Stockholm vor. Dort fand er einige Interessenten, die solch eine Maschine in angepasster Form zu Studienzwecken kaufen wollten, fand. In dem und dem darauffolgenden Jahr führte er sie auch auf Messen in Bern und Leipzig vor. Sein Hauptargument war für seine Erfindung war ihre Sicherheit: Als Rechenbeispiel gab er an, dass sie in den nächsten 14.000 Jahren nicht zu knacken sei, wenn ununterbrochen jede Minute eine Einstellung durchprobiert worden wäre. Im selben Jahr gründete er eine „Chiffriermaschinen Aktiengesellschaft“ und baute eine Firma in der Steglitzer Straße in Berlin, die am 24. August 1923 die Produktion aufnahm.

Als 1923 Winston Churchill sein Buch „The World Crisis“ und ebenfalls in diesem Jahr die Royal Navy ihre offizielle Geschichte des Ersten Weltkrieges veröffentlichte, wurde dem deutschen Militär klar, dass das Zimmermann-Telegramm und andere bis dahin genutzte Kryptosysteme durch die Alliierten im ersten Weltkrieg geknackt wurden. Es musste sich nach einer Alternative umschauen, um die immer wichtiger werdende Nachrichtenverschlüsselung gewährleisten zu können. Sie besannen sich auf die von Scherbius 1918 präsentierte Enigma und so kaufte die Reichswehr 1925 einige der Maschinen und Scherbius begann mit der Serienfertigung. Ab 1926 begann die Marine und andere Ab-teilungen der Reichswehr die leicht modifizierte Heeres-Enigma zu nutzen. 1930 starb Scherbius bei einem Unfall und Willi Korn übernahm die Firma. Er entwickelte die Maschine weiter, so dass die erste Endversion fürs Militär, die „Enigma 1“ entstand. Sie hatten nun einen Preis von etwa 600 RM hatte. Die handelsüblichen Enigmas hatten Bezeichnungen mit Buchstaben, also beispielsweise „Enigma A“. Willi Korns Firma löste sich aber schon 1934 auf. Die Patentrechte werden von den Berliner Firmen „Konski & Kröger“ und „Heimsoeth & Rinke“ übernommen.

Die Reichswehr begann nun die Enigma an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Sie wurde sicherer und bekam bessere Verschlüsselungseigenschaften. Damit unterschied sie sich zusehends von der handelsüblichen Enigma A.

Da die Entwicklung der Kriegsschiffe und der Luftfahrt trotz der Washingtoner Abrüstungskonferenz vom Jahre 1922 weiter ging, benötigte man entsprechend gute Chiffriersysteme, um beispielsweise Standortsdurchsagen sicher verschlüsseln zu können. Dazu diente die Enigma. Aber auch politische Nachrichten, Wetterdaten und sonstige brisante Funksprüche wurden chiffriert. Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 und der damit verbundenen Aufrüstung wurde die Geheimpolitik im Bereich des Militärs immer wichtiger und die Enigma gewann in allen Bereichen an Bedeutung. Marine, Heer, Luftwaffe, Reichssicherheitsdienst, Abwehr und einige andere Regierungsstellen interessierten sich für das scheinbar absolut sichere Verfahren.
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1 Kommentar

  1. Donnerstag 18.03.2010 11:31 von
    LoLiq

    im endeffekt eh nich.!!

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