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Die Kryptoanalyse der Chiffriermaschine

Dienstag 23. Januar 2007 von
Simon Praetorius
Seit dem ersten Weltkrieg ist die Kryptoanalyse, also das Mithören gegnerischer Befehle und Strategien in der Kriegsführung immer wichtiger geworden. Der Physiker Guglielmo Marconi hatte 1896 die Informationsübertragung mit Hilfe von Funkwellen erfunden, wodurch es jedem möglich war, die Nachrichten der anderen Gesprächspartner abzufangen. Besonders in Frankreich etablierte sich eine Staats-Sicherheitsabteilung, die sich damit beschäftigte und bald führend in Europa wurde. Im ersten Weltkrieg wurde auch schon ernsthafte Kryptoanalyse betrieben, die beispielsweise zur Entschlüsselung der ADFGVX-Chiffre führte. Dieses Verfahren wurde von den Deutschen aus einer Reihe von Algorithmen ausgewählt, da man glaubte, es böte die größtmögliche Sicherheit unter den Kandidaten. Am 5. März 1918 wurde es dann im Heer eingeführt.

Der Holländer August Kerchhoff stellte in dieser Zeit sein erstes Buch vor, das die Theorie eines sicheren Kryptosystems beschrieb, welches kurz darauf in Form der Vernam-Chiffre auch verwirklicht wurde. Aufgrund der Unhandlichkeit und sämtlicher damit verbundener Probleme kam dieses System kaum zum Einsatz. Man sagt, das der rote Kanal zwischen Moskau und Washington heute noch damit verschlüsselt wird.

Das Ziel handlicheren der Enigma war es, einen zufälligen, nichtperiodischen Schlüssel zu erzeugen, durch den nach Kerchhoff eine absolute Sicherheit gewährleistet gewesen wäre. Dies ließe sich auch mathematisch beweisen, soll aber hier nicht thematisiert werden.

Aufgrund des Erfolges des französischen „Bureau du Chiffre“, entwickelten sich in vielen anderen Ländern ähnliche Behörden, die den Kampf gegen die Verschlüsselung aufnahmen. In Großbritannien entstand der „Room 40“, der unter anderem für die Entschlüsselung des Zimmermann-Telegramms verantwortlich war. Mit Ende des Krieges stagnierte diese Entwicklung jedoch drastisch, da die Notwendigkeit für solch eine Abteilung nicht mehr gesehen wurde.

Die Ausnahme bildete die neue Republik Polen, welche nach der Unabhängigkeitserklärung immer noch von zwei feindlichen Mächten eingegrenzt wurde. Im Westen Deutschland, das zwar kaum mehr militärische Stärke besaß, aber trotzdem eine Bedrohung werden konnte und im Osten Russland, das nach der blutigen Oktober Revolution immer noch sehr feindlich gegenüber Polen gesinnt war.

Man baute hier ein Chiffrierbüro auf, welches schon 1920 einige russische Chiffrierungen knackte und somit einen Sieg der Sowjetunion im polnisch-sowjetischen Krieg verhinderte. Auf polnisch heißt Chiffrierbüro „byro szyfrów“, kurz BS und war in der in der Nähe von Warsaw (Warschau) untergebracht.
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Polens Chiffrierbüro "Byro Szyfrów"

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Bletchley Park

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